Leseproben

 
 

Im Folgenden ein paar Auszüge aus Hardy Siklers Werken...

 

> Spot on!

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Funkausstellung Berlin...

"Hier eure Ausweise, ihr seid jetzt Mitarbeiter der ARD. Benehmt euch entsprechend. Prosit". Der Cateringchef war ein spaßiger Geselle mit Bürstenschnitt. Er reichte jedem einen trockenen Tropfen, der verführerisch im Kelch perlte. "In diesem Wohnwagen könnt ihr euch bis zu eurem Auftritt wie zu Hause fühlen. Ihr seid nach Reinhard Mey dran. Die Musikanlage ist von Karthago, ihre Musikcrew ist für den Sound verantwortlich. Wünsche bitte bei ihnen äußern. Noch ein Glas?"

Ein toller Gig stand an. Um den Liedermacher waren jede Menge Fernsehkameras aufgebaut. Das Büfett ließ keine Wünsche offen....

John entwickelte einen eigenartigen Appetit. Alles, was Blähungen verursacht, stopfte er gierig in sich hinein. Linsen, braune und rote. Kraut mit Speckwürfel und Kümmel. Fleisch, medium, durch und englisch!

"Bist du schwanger oder was? Wenn unser Hotel keinen Balkon hat, schläfst du im Bus!"

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> Der Batscher und der Masochist

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Clara war vor dem Teppich angekommen und stellte sich in Positur. Ihre linke Hand hatte den linken Zipfel des Teppichs ergriffen und zu sich herangezogen. Ein Ausfallschritt, wiederum links, ähnlich dem einer Tennisspielerin beim Aufschlag, folgte. Dann prasselten die Schläge kurz hintereinander, von oben rechts beginnend, auf den Teppich nieder.

Echoartig hallten sie von der Häuserfront zurück. Aufmerksam gewordene Nachbarinnen, deren vorwurfsvolle Blicke sich angesichts des reinlichen Tuns im Hofe rasch entschärften, tauchten hinter den Fenstern auf und verschwanden wieder. Besonders staubige Stellen bekamen eine Spezialbehandlung.

Deshalb hatte Karl, der ein ausgefuchster Masochist war, an den bevorzugten Körperteilen dick Staub aufgetragen. Seine Nerven nahmen die auftreffenden Schläge in einer Mischung aus Lust und Schmerz auf. Sein Oberkörper wand sich wie der eines Schwimmers in bewegter See. Das verzerrte Gesicht spiegelte Freude, der aufgerissene Mund offenbarte Plombiertes. Längst schon rann Clara der Schweiß unter dem dauerwellenschützenden Kopftuch, das über der Stirn mit einem Knoten zusammengebunden war, herab. 

Die von Goldclips geschmückten Ohren leuchteten wie Bremslichter eines Autos. Das schwabbelige Fleisch ihrer Oberarme schlenkerte wellenartig im Rhythmus der auftreffenden Schläge. Eine fleischige, kraftvolle Brandung bedrängte den Schmutz. 

Endlich, nachdem sie allen Staub aus Karl und ihrem Teppich geklopft hatte, ließ sie mit wogenden Brüsten den Batscher sinken..."

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> Das Amulett

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Es entbrannte ein Kampf, den aber nur einer der Bauern überlebte. Er war zwar unverletzt, aber um ihn herum lagen die verstümmelten Leiber seiner erschlagenen Vertrauten in ihrem Blut. Widerstandslos ließ er sich in Ketten legen und zu seiner Hinrichtung auf den Marktplatz führen...

Wir waren die ersten Eindringlinge, die es wagten, diese ewige Ruhe zu stören. Leise folgten wir dem umherhuschenden Lichtkegel meiner Taschenlampe und drangen in das Haus der Toten ein. Nach wenigen Schritten erhellte das Licht die ersten Särge, die zu beiden Seiten des Ganges an die Wand gestapelt waren. Langsam gingen wir weiter, durchschritten die Zeit und mit ihr Generationen, die vor uns - in einer ganz anderen Welt - gelebt hatten. Je tiefer wir eindrangen, desto desolater wurde der Zustand der Särge...

Doch es war zu spät, wir hatten das Ende des Ganges erreicht, und ich stand, etwas verunsichert, dem Grafen gegenüber. Ich versuchte zu sprechen, doch meine Stimme versagte. Ein schwaches, unverständliches Krächzen war alles, was ich zuwege brachte. Erst nach mehrfachem Räuspern gelang es mir, etwas einigermaßen Verständliches hervorzubringen. "Mir ist weder eine Abzweigung noch eine Nische aufgefallen, wo man die Überreste eines Mannes hätte aufbewahren können."....

Ich kann nicht sagen, ob es die Wut oder aufkeimendes Jagdfieber war, was uns beflügelte. Jedenfalls gaben wir unsere bisherige Zurückhaltung auf, ergriffen die mit dem Stemmeisen gesicherte Steinplatte und drückten sie so weit nach oben, daß ein leichtes Antippen genügte, um sie nach hinten wegkippen zu lassen.

Eine Wolke aus Staub und Dreck wirbelte auf und überzog meine Taschenlampe mit einer undurchdringlichen Schicht. Ihr Licht versiegte. Erschrocken blies ich so heftig gegen das Glas, daß mich ihr Licht, als es wieder zum Vorschein kam, unangenehm blendete. Und was tat sich vor unseren Augen auf? Wir sahen eine naß glänzende Treppe, die in der Dunkelheit verschwand...

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> Gedankenstrich - Ich denk an Dich

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Endlich kann ich Frieda rächen, sprach der Wurm, und fraß sich durch des Anglers Sarg"...
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